Das Kastell Niederberg

Das Kastell Niederberg stand im Stadtteil Neudorf in Koblenz. Das Kastell Niederberg war ein römisches Auxiliarkastell (Kohortenkastell) am Obergermanischen Limes. Die Kastellfläche betrug rund 2,8 Hektar mit Außenmaßen von ca. 177,4 m × 157,8 m. Die Umwehrung war eine steinerne Mauer (Grauwackesteine + Kalkmörtel), etwa 1,25 m mächtig. Vor der Mauer gab es zwei Spitzgräben als Verteidigungsstruktur: ein innerer (9 m breit, 1,90 m tief) und ein äußerer Graben (6 m breit, 1,40 m tief). Jedes der vier Tore war von zwei Türmen flankiert. Die „Prätorialfront“ des Kastells war nach Südosten ausgerichtet.

Das Kastell lag auf einem Bergplateau (Mittelterrasse) Von dort hatte man eine gute Sicht auf das Rheintal und insbesondere auf die Moselmündung.

Strategisch war das Kastell sehr wichtig, da es als Brückenkopf diente und den Zugang von der „Römerstraße“ kontrollierte, die über Ehrenbreitstein nach Koblenz führte.

Außerdem verband es alte Verkehrswege Richtung Westerwald und Lahn mit den militärischen und zivilen Siedlungen rund um Koblenz. Besatzung, Zeit und Auflösung

Die Besatzung durch die Cohors VII Raetorum equitata, das heisst eine teils berittene Kohorte bestand vermutlich von etwa 100 n. Chr. bis ungefähr 259/260 n. Chr.

Das Kastell wurde wahrscheinlich um 259/260 n. Chr. verlassen, im Rahmen der fränkischen Offensive, bei der die Römer Teile des rechtsrheinischen Gebietes räumen mussten. In späteren Jahrhunderten entwickelte sich ein Vicus (zivile Siedlung) rund um das Kastell.

Es gibt Hinweise auf ein römisches Gräberfeld im Bereich westlich des Kastells.

Außerhalb bzw. nahe dem Kastell existierte ein römisches Badehaus („Kastellbad“). Das Bad war typisch für Garnisonslager: Soldaten konnten es nutzen, aber auch Zivilisten aus dem Vicus gegen Gebühr. Die Badeanlage lag rund 30 m von der Südecke des Kastells entfernt, am Abhang des Plateaus.

Erste Ausgrabungen fanden bereits 1895 statt. Dabei wurden Ziegel mit Militärstempeln gefunden, was die Zugehörigkeit zur Cohors VII Raetorum belegt. Weitere Untersuchungen erfolgten in den 1960er Jahren (im Zuge der Wohnbebauung) und erneut ab 2002 durch die Archäologische Denkmalpflege Koblenz. Die Ergebnisse der neueren Ausgrabungen dokumentieren den Vicus, Werkstätten, Wohngebäude, Ziegelöfen und ein Gräberfeld.

Das Kastell ist als Bodendenkmal geschützt.

Seit 2005 ist das Kastell Teil des UNESCO-Welterbes „Obergermanisch‑Rätischer Limes“.

Das Gebiet des Kastells ist heute größtenteils mit Wohnsiedlungen auf dem ehemaligen Kastellgelände überbaut.

Es existiert eine Infotafel an einer öffentlichen Stelle (Straßenecke Arenberger Straße / „Im Weeling“), die über das römische Kastell und seine Bedeutung informiert.









Standort: Kastellniederberg

56077 Koblenz

Koordinaten: 50°22'13.1"N 7°37'36.0"E

Karte:

Erstmals erstellt: 3.07.1997 Letzte Änderung:
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